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Sonntag, 31. Oktober 2021


Montag, 22. August 2022 um 16:35:54 von Kulturpool Redaktion

Die Sammlungen des Wien Museums auf Kulturpool

Anlass
Die Sammlungen des Wien Museums

Eine digitale Wanderung durch die neu abrufbaren Sammlungen des Wien Museums.
Von den mehr als 80.000 digitalisierten Datensätzen des Wien Museums sind auf Kulturpool nun etwas mehr als 67.000 Objekte neu verfügbar. Das Wien Museum begreift sich als Universalmuseum mit seinen mehr als eine Million Objekte umfassenden Sammlungen aus Stadtgeschichte über Alltagsleben bis zur bedeutenden Kunstsammlung. Darüber hinaus bietet es auch sehr spezielle Sammlungen aus Numismatik, der Uhrensammlung oder aus der Welt der Mode sowie viele weitere Sammlungsgegenstände etwa aus der Stadt-Archäologie sowie weiteren Bereichen.
Die Objekte und Digitalisate sind so aufbereitet, dass sie zum einfachen „digitalen Wandern“ erstöbert werden können als auch für jegliche Recherche im Zusammenhang mit den Sammlungen Ansatz und Information liefern.
Sehr viele Objekte können kostenlos als „open content“ weiterverwendet werden. Über 130.000 Bilder lassen sich in den Sammlungen finden und erforschen.

Objekte aus der Sammlung der Gebrauchsgegenstände:

"WC-Aufhängung mit Halterung für eine Kerze und Fächern für Zündhölzer und WC-Papier"
WC
Datierung 1900
Objektklasse Toilettenartikel
Aus der Sammlung Gebrauchsgegenstände

Geht man um 200 Jahre zurück, findet man einen "Armsünderstuhl"

Armsünderstuhl
Armsünderstuhl
Datierung 1700
Objektklasse Todesstrafe, Hinrichtung
Inventarnummer 167972
Strafvollzugsgeräte
Aus der Sammlung Gebrauchsgegenstände

Und vom frühen 18. Jahrhundert ein Sprung in die Ausläufer des Biedermeiers mit inspirierenden Exponaten

"Neueste Geduld-Spiele" (Puzzle): "Der kleine Gefangene"
puzzle
Datierung 1850
Objektklasse Gesellschaftsspiele, Partyspiele
Kind, Spielen, Erholung und Freizeit
Biedermeier
Kindheit
Aus der Sammlung Gebrauchsgegenstände

Um die gleiche Zeit, ein Siegelabdruck aus dem Revolutionsjahr 1848

Siegelabdruck "AUSSCHUSS DER STUDENTEN WIENS 1848" vom 13. März 1848
"Neueste Geduld-Spiele" (Puzzle): "Der kleine Gefangene"
Siegel
Datierung 1848
Revolution 1848/1849
Objektklasse Siegel
Aus der Sammlung Gebrauchsgegenstände

Ein weiteres spezielles Objekt ist ein Sprachrohr des Türmers von St. Stephan

Sprachrohr des Türmers von St. Stephan
Sprachrohr
Datierung 1600
Stephansdom
Sicherheit und Kriminalität
Aus der Sammlung Gebrauchsgegenstände

Die Gemäldesammlung allein ist eine Sichtung wert. Über 1239 Objekte, vorwiegend Porträts über mehrere Jahrhunderte Wiener Persönlichkeiten, lassen sich in den Sammlungen finden. Viele Bekannte Namen der Wiener Stadtgeschichte als auch Kurioses und Unbekannteres.

Fanny Elßler, Tanzkünstlerin
fanny
Datierung 1852
Objektklasse Porträt
Aus der Gemäldesammlung

Ballonfahrt über Wien (Blick auf Wien von Südwesten mit einem Ballon über der Stadt)
Ballonfahrt
Jakob Alt (Künstler)
Stadtansicht
Datierung 1847
Aus der Grafik und Fotosammlung, Aquarelle

Eine physische Wanderung auf den Kahlenberg lässt das Sammlungsgebiet des Wien Museums aus der Vogel-, bzw.-Bergperspektive erahnen...

Blick auf Wien vom Kahlenberg
BlickWien
Karl d. Ä. Schweninger (Künstler)
Datierung 1850
Objektklasse/Objektname Stadtansicht
Aus der Gemäldesammlung

Und vom Ausblick auf Wien, einen Einblick in die Umbauten des Wien Museums, via offiziellem Trailer und Infovideo:

https://www.wienmuseumneu.at/

Sonntag, 29. Mai 2022 um 19:54:47 von Kulturpool Redaktion

Über die Myrthe

Anlass
Eine kleine Kulturgeschichte der Myrthe

Myrte
Myrtus lalifolia Romana [Myrte] (Originaltitel)
Anonym (Entwurf) (Wien, 1801-1850)
Zweig mit spitz zulaufenden Laubblättern, an den Blattachseln sitzen weiße Blüten
Aus der Sammlung des MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien

Die Myrthe, inzwischen meist ohne „h“ Myrte geschrieben, mit lateinischem Namen „myrtus communis“, auch die Gemeine Myrte, ist ein immergrüner Strauch aus der Familie der Myrtengewächse. (Myrtaceae). Die Myrte ist als einzige Vertreterin dieser Familie im Mittelmeergebiet von den Kanaren im Westen bis nach Vorderasien im Osten anzutreffen. Seit der Antike kultiviert, findet man sie am ehesten in Macchien und Wäldern auf kalkfreiem, feuchterem Boden.
Zwischen Mai und August treibt die Myrthe weiß und duftend ihre zahlreichen Blüten aus. In reichlichen Verzweigungen kann die Myrthe als immergrüner Strauch bis zu fünf Meter hoch werden. Die Oberseite ihrer Blätter ist grüner als die leicht hellere Unterseite. Die Früchte sind erbsengroß und schmecken leicht säuerlich. Die Beeren reifen zwischen November und Dezember und entfalten dann einen sehr guten Geruch.
Man kann ihre Blüten, Blätter und Beeren für die unterschiedlichsten Anwendungsformen verwenden. Die Myrte ist appetitanregend, antibakteriell, lindert Nervosität und hilft bei Lungenproblemen. Aus ihren Blättern lässt sich Tee zubereiten und ähnlich dem Lorbeer findet sie in der Küche viele Verwendbarkeiten.
Aus der Heilpflanze lässt sich wirkungsvolles Öl gewinnen. Das darin enthaltene Geraniol beruhigt und entspannt während das belebende Ciniol als Wachmacher fungiert. Myrten Öl macht gelassen und frisch, wirkt desinfizierend und entzündungshemmend. Ein paar Tropfen Myrten Öl als Inhalation hilft bei Lungenkrankheiten.
Die Myrte wird seit jeher auch als „Welsche Heidelbeere“ bezeichnet.

Ein wenig Kulturgeschichtliches:
Die Myrte steht symbolisch für Liebe und Schönheit.
Als Heilpflanze seit der Antike bekannt, hat die Myrte viele kulturgeschichtliche und rituelle Rollen übernommen. Neben dem Apfel kommt in der Erzählung von Adams Vertreibung aus dem Paradies auch ein Myrtenzweig vor, den dieser als Erinnerungsstück an das Paradies mitgenommen haben sollte.

Myrthenkranz
Myrthenkranz
Brautschleier aus einem rechteckigem Stück Tüll, an drei Seiten mit Blumen in Kurbelstickerei bestickt. Oberkante breit umgeschlagen und durchgeheftet, wo der Kranz befestigt war. Myrthenkranz aus Wachs-/Papierblumen mit geflochtenem Organzaband.
1940
Aus der Sammlung Landessammlungen Niederösterreich

In der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft trugen junge Jüdinnen einen Myrtenkranz als Zeichen ihres Brautstandes.
Die alten Griechen haben die Myrthe der Aphrodite geweiht, die Römer der Venus. Zu bestimmten Anlässen wurden Myrtenzweige auf einen zu beschreitenden Weg gestreut, während Weihrauch verbrannt wurde.

Ein Myrtenkranz wurde der jungfräulichen Braut geflochten, in der Renaissance kam dieser Brauch auch in Mitteleuropa zur Geltung, wobei auch Bräutigam und Trauzeugen Myrtenzweige angesteckt bekamen.
Das Ritual sah vor, dass die junge Ehefrau einen bei ihrer Vermählung getragenen Zweig aus dem Myrtenkranz in die Erde setzte und wartete bis dieser Wurzeln schlug. Der weitere Verlauf des Wachsens wurde als Vorhersage eines beständigen Eheglücks angesehen und laufend gepflegt. Die Myrte wurde später dann auch mit in die Wohnstuben genommen und wurde so zu einer der ältesten Zimmerpflanzen.
Noch heute tragen griechische Brautleute einen Myrtenkranz auf dem Kopf, sobald sie sich das Ja-Wort gegeben haben.
Die Myrte gilt als Schutzpflanze der Liebenden und wird deshalb auch häufig „Brautmyrthe“ genannt werden.

Überliefert ist auch der Glaube, dass die Myrte die bösen Geister aus dem Hause fernhält.

Was erinnert in Österreich noch an die Myrte?

Im 7. Bezirk in Wien verläuft die Myrthengasse, zur Hälfte als romantische Fussgängerzone, von oben an die Burggasse grenzend bis hinunter zur Lerchenfelderstraße:

Myrthengasse 7
Myrthengasse 7
Die Myrthengasse in Wien 1070
1962-02-15
Wien 7, Myrthengasse 7
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Myrthengasse10
Myrthengasse 10
August Stauda, 1905
'Zum blauen Löwen'. Aufnahme von rechts gegen die Neustiftgasse.
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Myrthengasse
Die Myrthengasse
August Stauda, 1903
Wien 7, Burggasse 66
Aufnahme über Eck mit Front Myrthengasse 2.
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

MyrthengasseLöwe
Myrthengasse Zum Blauen Löwen
Wien 8, Myrthengasse 10
Hans Siegenfeld,
Datierung 1962-07-30
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Im Semmeringgebiet erinnert der Myrthengraben an den immergrünen Strauch und seine jahrhunderte-alte Verwendung in der europäischen Kulturgeschichte:

Der Myrthengraben

Myrthengraben
Myrthengraben
Aussicht von der Brücke über den Myrthengraben
Friedrich Würthle, (Konstanz 1820 - 1902 Salzburg)
ca. 1881
Aus der Fotosammlung der Albertina

Die Myrthenbrücke

Myrthenbrücke
Leander Russ - Eröffnung der Semmeringstrecke durch Kaiser Ferdinand - 1841
Austria Wiki https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Semmering-Passstraße

In der Musik finden sich wunderbare Werke, die der Myrte gewidmet wurden, so der Myrthenblüten-Walzer von Johann Strauß Sohn bis zu einem Liederzyklus von Robert Schumann.

Neben den in Natur und Stadt verorteten Erinnerungen an die frühere Strahlkraft der Myrte erinnert der Myrthenblütenwalzer von Johann Strauß Sohn op. 395
Link: Zu finden auf diversen musikalischen Plattformen oder diversen sozialen Medien.
Myrthenblüthe
Myrthenblüthe
Myrthenblüthen, Walzer für Männerchor und Orchester; op. 395
Strauss, Johann (1825 - 1899)
Datierung [1881-1882]
Aus der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus

Robert Schumann widmete sein Opus 25 „Myrthen“ mit Untertitel „Liederkreis von Goethe“ seiner Frau Clara Wieck zu deren Hochzeit am 12. September 1840. Ein Liederzyklus in vier Bänden.

Modernes Kulturgeschichtliches: *Die Maulende Myrte!
Ähnlich der Pflanze, die als nicht winterfest und sehr anspruchsvoll gilt, wurde die Figur "die Maulende Myrte", die in allen geradzahligen Büchern von Harry Potteranzutreffen ist (Band II, IV, und VI) von Joanne Kathleen Rowling als nicht sehr anspruchsloses Wesen aus Hogwarts konzipiert. Immerhin trägt sie zum Fortbestandes der "myrthe" durch den Erfolg des Buches und der Verfilmungen nachhaltig bei.

Sonntag, 27. Februar 2022 um 16:53:26 von Kulturpool Redaktion

Stimmungsimpressionistin Tina Blau

Anlass
Tina Blau und der Stimmungsimpressionismus

Regine Leopoldine Blau, geboren am 15. November 1845 in Wien, im heutigen dritten Bezirk Landstraße, war eine der wichtigsten Landschaftsmalerinnen Österreichs, sie zählt zu den Stimmungsimpressionisten, ein Begriff, der den Fokus der gewählten künstlerischen Motive auf die Landschafts- und Stilllebenmalerei beschreibt.

Tina Blau hat sich schon sehr früh für die Malerei interessiert und ließ sich zeitlebens von den Landschaften um Wien, speziell dem Wiener Prater und sein Umland inspirieren.
Sie ist in Zeiten des Umbruches geboren, drei Jahre nach ihrer Geburt folgten die Aufstände des Revolutionsjahres 1848. Presse-, Rede- und Meinungsfreiheit wurden gefordert. Die Revolution wurde im Oktober 1848 blutig niedergeschlagen, einige Forderungen konnten jedoch umgesetzt werden und brachten – wenn auch nicht mit sofortiger Wirkung – ihre Änderungen mit sich. Die Bauernbefreiung, der Rücktritt Metternichs und die Zusage einer Parlamentarischen Verfassung sowie erste Auflösung feudaler Strukturen und Modernisierungen im Verwaltungswesen sind vielleicht die bekanntesten Folgen dieser Zeit. Diese Änderungen und langsamen Adaptierungen an den Wunschkatalog der revolutionären Kräfte betrafen in erster Linie die Lebenswirklichkeiten der männlichen Welt. An die Rechte der Frauen wurde in dieser Zeit bestenfalls peripher gedacht, so lesen sich die Herausforderungen im Leben Tina Blaus in vielen entscheidenden Momenten wie ein Zeichen der Zeit, die Möglichkeit ein Studium zu wählen, ein Atelier zu Mieten, die Heirat unter unterschiedlichen Konfessionen, wirtschaftliche Entscheidungen oder politische Mitbestimmungsrechte oder Vereinstätigkeiten waren allesamt noch nicht autonom wählbar. Tina Blau war eine Vorreiterin in vielen Anbelangen der Bildenden Kunst für Frauen in Österreich. Frauen waren bis Anfang des 20. Jahrhunderts von dem selbständigem Öffentlichen Leben ausgeschlossen. Auch eine Mitgliedschaft in einem politischen Verein war verboten.

Zur Frauenbewegung:
Frauenbewegung – Wien Geschichte Wiki

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Frauenbewegung

Revolution1848
Revolution 1848
Revolution 1848: Universitätsplatz
Der Universitätsplatz zu Wien in der Nacht vom 13. auf den 14. Marz 1848
Archiv der Universität Wien, Bildersammlung
Aus der Sammlung der Universitätsbibliothek Wien - Phaidra

Barrikadenlied
Revolution 1848: Barrikadenlied (Flugblatt)
Barrikadenlied
Verfasser: Adolf Buchheim (Student) am 26. Mai 1848
Archiv der Universität Wien, Bildersammlung
Aus der Sammlung der Universitätsbibliothek Wien - Phaidra

Ihr Vater Simon Blau, ein k.k. Militärarzt aus Prag stammend, lebte und arbeitete in der Heumarktkaserne im dritten Wiener Gemeindebezirk. Einst selbst mit der Ausübung eines künstlerischen Berufes liebäugelnd, hat er das Talent seiner Tochter früh erkannt und stets besonders unterstützt. Da es Frauen Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht erlaubt war, ein Kunststudium in einer Akademie in Betracht zu ziehen, förderte ihr Vater sie bereits als 15 jährige mit Privatunterricht durch den Landschaftsmaler August Schäffer und später bei dem Porträtisten Josef Aigner. Den ersten Unterricht erhielt sie von dem Waldmüller Schüler Antal Hanély, auch die ersten Stillleben entstehen unter seinem Auge. Als ihr Vater sie auf eine Reise nördlich von Prag nach Brandeis an der Elbe mitnahm, schuf sie ihre ersten Landschaftsmalereien, in freier Natur und in frischer Luft stehend, ihr Motiv vor den Augen. Schon früh zeigte sich dieser Zugang zur Malerei und zur Natur, ihrem bevorzugten Produktionsort.

Josef Aigner
Revolution 1848: Josef Matthaus Aigner (18.01.1819-19.02.1886; Bildende Kunst, Akadem. Legion)
eh. Unterschrift; Commandant der academischen Legion
Beitragender J.Kriehuber (Lithographie), Fotostudio Helmreich, Wien I.
signiert: Kriehuber 848
ged. bei J.Hofelich
Aus der Sammlung der Universitätsbibliothek Wien - Phaidra

Josef Aigner war Schüler von Amerling und Rahl. Er wurde als Kommandant der Akademischen Legion, eines Freiwilligenkorps während der Oktoberkämpfe 1848, gefangengenommen, vor ein Kriegsgericht gestellt und zu Tode verurteilt. General Fürst Windisch-Grätz begnadigte ihn in letzter Minute. Er porträtierte Kaiser Franz Josef, Sisi und viele mehr, starb durch Suizid.

August_Schäffer
Laxenburger Park mit Spaziergängern
August Schäffer (1833 - 1916 Wien)
Datierung 1877
Aus der Graphischen Sammlung der Albertina

1867 holte sie ihre erste Erfahrung einer Ausstellungsbeteiligung dank der Initiative ihres Lehrers Josef Aigners. Er drängte sie ein Gemälde im Wiener Kunstverein auszustellen, dies brachte ihr erste positive Kritiken ein.
1869, mit 24 Jahren, zog es sie nach München, um eine vertiefende Ausbildung in der Kunstschule für Frauen anzugehen. Sie nimmt privaten Unterricht bei Prof. Wilhelm Lindenschmit d.J.. In Folge entstehen einige Werke und erste Verkäufe, wie das Bild „Jakobsee bei Polling“.


Jakobsee bei Polling
Motiv am Jakobsee bei Polling
Flußlandschaft
Herbstmorgen im bayrischen Hochland
Datierung 1869/1971
Aus der Sammlung der Österreichischen Galerie Belvedere

Mit dem Verkauf ihrer Bilder leistete sich das Reisen, mitunter konnte sie während eines Aufenthaltes auf einer ihrer Reisen ein weiteres Bild verkaufen und so ihren Aufenthalt verlängern.
In diesen Jahren lernt sie den Maler Emil Jakob Schindler kennen. Sie befreundeten sich und gingen gemeinsam auf Reisen nach Ungarn und in weitere Länder und gründeten ihre Ateliergemeinschaft in Wien. Da sie selbst kein Mietverhältnis eingehen konnte, wurde die Ateliergemeinschaft als Lehrer-Schüler Verhältnis nach außen hin "verkauft". Sie wehrte sich gegen die Idee Schülerin von Schindler gewesen zu sein, was bis heute immer wieder kolportiert wird.

Tina Blau
Blau, Tina
Mit einem Korbwagen, in dem sich ihre Malutensilien befinden, in den Praterauen.
Druck
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Tina Blau MAK
Blau, Tina MAK
Tina Blau MAK
Anonym (Entwurf) (1971)
Papier, Flachdruck
Bibliothek und Kunstblättersammlung, Plakat
Aus der Sammlung des MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien

1874 bezog Tina Blau ihr eigenes Atelier im Wiener Prater, in einer der von der Weltausstellung hinterlassenen Rotunden.
Aus dem Gestell eines Kinderwagens und einem größeren Weidenkorb formte sie ihr „Malwagerl“, ein mobiles Mal-Set mit Staffelei als Abstellfläche für Pinsel, Farben, ganzen Paletten und weiteren Utensilien und ging damit hinaus in die umliegende Natur des Wiener Praters. Der Stimmungsimpressionismus wurde auch durch seine Freiluftzeichnungen geprägt. Mit weit größeren Formaten als gewöhnlich, schuf sie so Werke wie den „Prater im Frühling“, Öl auf Leinwand, mit den Maßen 2x3 Meter. Typischerweise „en plain air“ - in Freiluft gemalt.

Dieses Bild wurde anfangs von der Jury des Künstlerhauses als „nicht hängbar“ eingestuft, mit den Worten, „es würde ein Loch in die Ausstellungswand reißen“. Die Hängekommission reagierte auf die untypische Helligkeit ihres Bildes und wies es anfangs zurück. Dank der Intervention von Hans Makart wurde das Bild doch zugelassen.

Erste internationale Kunstausstellung Wien 1882

Hans Makart
Porträtkarikatur Hans Makart
Porträtkarikatur Hans Makart
Franz Rumpler
Datierung 1875-1880
Hans Makart (Salzburg 1840 - 1884 Wien) - Maler aus Serie von Porträtkarikaturen von Malern, Bildhauern, Architekten, Musikern und Schauspielern aus Umkreis von Hans Makart in Wien
Aus der Sammlung der Landessammlungen Niederösterreich

Von April bis Oktober 1882 richtete das Wiener Künstlerhaus (errichtet 1865 – 1868), eine Sonderausstellung und Kunstschau, die als erste bedeutende ihrer Art in Wien bezeichnet werden kann. Dank des Einsatzes des Grafen Edmund Zichy und des Fürsten Richard Metternich, die unter Kunstfreunden Gelder aufstellten und das Ziel verfolgten, gleich anderen europäischen Metropolen einen kulturpolitischen Impuls zu setzen und eine Werkschau der damals Kunstschaffenden zu erreichen.
Die schon vor Errichtung des Künstlerhauses 1861 gegründete Künstlerhaus-Genossenschaft, heute als Gesellschaft bildender Künstler Österreichs bekannt, ist die älteste Vereinigung Wiener Maler, Bildhauer und Architekten. Die Ausstellung sollte ein Zeichen der heimischen Strahlkraft abgeben und hatte in Folge auch nach innen ihren Impuls, gilt als wichtiger initialer Antrieb der Förderung der bildenden Künste in Österreich.

Makart Internationale
Erste Internationale Kunst-Ausstellung im Künstlerhause. Wien 1882
Hans Makart (Salzburg 1840 - 1884 Wien)
R. v. Waldheim, (Österreich, 1855 - 1895), Druck
Aus der Plakat-Sammlung des MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien

Das Offizielle Plakat der Ausstellung wurde von Hans Makart gezeichnet, der auch mit weiteren eigenen Werken in der Ausstellung vertreten war.
Zweck dieser Ausstellung war die Sichtbarmachung des Wiener und österreichischen Potentials, zehn Jahre nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründung des Kaisertums Deutschlands. Beide Länder, Frankreich und Deutschland, waren in der Bildenden Kunst dieser Zeit tonangebend. Aus vielen weiteren europäischen Ländern kamen Exponate und BesucherInnen. Fast 250.000 Menschen besuchten die Erste Internationale Kunstausstellung Wiens.

Ein Bericht vom 2. April 1882, ein Tag nach der Eröffnung, liefert ein Stimmungsbild aus den Augen eines Kritikers: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?apm=0&aid=nfp&datum=18820402&seite=4

ANNO, Neue Freie Presse, 1882-04-02, Seite 4 (onb.ac.at)
Neue Freie Presse, Bericht über die Kunstausstellung vom 2. April 1882

Fokus für die Wiener:
"Für uns Wiener ist unter den Stil-leben dieser Abtheilung namentlich die Frau Hornbostel interessant, deren trauriges Geschick seinerzeit allgemeine Theilnahme fand und welche nun seit Jahresfrist Schülerin Fritz Kaulbach's ist. Der Fisch, den das Wild darstellt, ist so interessant gemalt, dass man unwillkürlich bei dessen Anblick denkt, Lenbach habe der Kunstnovize, als sie damit hantierte, über - die Schulter geblickt!"

Neben der Bemerkung zu Frau Hornbostel, fand auch Tina Blau zumindest namentlich Erwähnung in der Aufzählung beachtenswerter Exponate. Rudolph Alt und Hans Makart finden besonderes Augenmerk. Der Bericht lobt die Initiative und die Exponate.
Antonin Proust, Frankreichs Minister der „Beaux-Arts“, der Schönen Künste, dieser Titel entspricht dem heutigen Kulturminister-Begriff, lud Tina Blau mit ihrem Bild „Frühling im Prater“ in den Pariser Salon ein. Der dortige „Auslands-Oscar“, wenn man so will, wurde unter der Bezeichnung „prix honorable“ an sie vergeben. Dort sind auch mehrere Gemälde zu den Tuilerien entstanden, wohl mit der Genugtuung der internationalen Anerkennung im Rücken.
Dieses Ereignis kennzeichnete auch ihren internationalen Durchbruch. Ihr Freiluftgemälde „Frühling im Prater“, zeigt die Landschaft unmittelbar um ihr Atelier und wurde auch en plain air gemalt.

Frühling im Prater
Frühling im Prater
Tina Blau, 1882
Beschreibung
Der "Frühling im Prater" ist Tina Blaus unbestrittenes Hauptwerk und das größte Gemälde, das die Künstlerin im Laufe ihres Lebens malte. In einem Brief an August Schaeffer vom 19. Jänner 1900 (heute Tina Blau-Nachlass, New York) berichtet die Künstlerin, dass sie am Bild 1881/82 gemalt habe. Die Jury der 1. Internationalen Kunstausstellung des Wiener Künstlerhaus 1882 wollte das Bild zunächst zurückweisen, da es in den Augen der Hängekommission zu hell war und überall ein "Loch in die Wand" machen würde. Erst auf Intervention Hans Makarts sei das Bild dennoch angenommen worden. Im Jahr darauf wurde es auf Initiative des französischen Ministers der Schönen Künste, Antonin Proust, im Pariser Salon ausgestellt, wo es eine "mention honorable" erhielt. Das Bild wurde zunächst vom Sammler F. W. Crone erworben. Im Zuge der Kollektivausstellung Tina Blaus in der Galerie Pisko 1899 konnte das Bild schließlich für die Kaiserliche Gemäldegalerie erworben werden.
Öl auf Leinwand
Rahmenmaße: 267 x 340 x 16 cm
Aus der Sammlung der Österreichischen Galerie Belvedere

1883, noch keine 40 Jahre alt, für diese Zeiten aber ungewöhnlich spät, verlobte sie sich mit dem Schlachtenszenen- und Pferdemaler Heinrich Lang und zog zu ihm nach München, wo sie Ende Dezember 1883 heirateten.
Tina Blau war Jüdin, Heinrich Lang evangelischen Glaubens. Es galt das Verbot von „Mischehen“ und sie entschied sich zu konvertieren.

Exkurs:
ANM00176 bel ok PR.pdf (austriaca.at) https://austriaca.at/0xc1aa5576_0x0039014b.pdf

„Nach dem vergeblichen Versuch des Reichstags von Kremsier 1848/49, die obligatorische Zivilehe einzuführen und das Ehehindernis der Religionsverschiedenheit aufzuheben, blieb in Bezug auf das ABGB Eherecht und die religiös bedingten Ehehindernisse alles beim Alten: Ehen, die von Anfang an rein katholisch waren und erst später infolge des Übertritts eines Ehegatten christlich gemischt wurden beziehungsweise von Anfang an gemischt waren, aber durch Übertritt eines Ehegatten katholisch wurden, blieben dem Bande nach unauflösbar.“
Daran konnte auch die im Dezember 1867 eingeführte verfassungsrechtliche Gewährleistung der Glaubens- und Gewissensfreiheit nichts ändern. Das in Ausführung dazu ergangene Gesetz über die Regelung der Interkonfessionellen Verhältnisse gab zwar jedem Staatsbürger nach vollendetem 14. Lebensjahr das Recht der freien Wahl des Religionsbekenntnisses und bestimmte auch, dass durch einen Religionswechsel alle genossenschaftlichen Rechte der verlassenen Religionsgemeinschaft an den Austretenden verloren gingen (§§4 und 5). Hinzu kam überdies, dass in §16 dieses Gesetzes angeordnet wurde, dass dem sogenannten Interkonfessionellengesetz (insbesondere auch den §§4ff) entgegenstehende Bestimmungen des bisher geltenden Rechts nicht mehr zur Anwendung kommen durften.
Zwischen Christen und Nichtchristen Christen war es verboten, sich mit Personen zu verehelichen, die sich nicht zum Christentum bekannten (§64); solche Verbindungen waren ungültig. Es wurde von diesem Ehehindernis zunächst (bis 1905) auch nie Dispens erteilt.
Grundsätzlich Konfessioneller Charakter: Das Eherecht des ABGB war in den §§ 44 bis 136 geregelt, es war konfessionell orientiert, enthielt jeweils eigene Vorschriften für Ehen von Christen, Katholiken (inklusive Griechisch-Unierte) und Akatholiken (Griechisch Orthodoxe sowie Protestanten Augsburger bzw. Helvetischen Bekenntnisses), sowie für Ehen von Juden. Mischehen waren nur unter Angehörigen christlicher Konfessionen zulässig, zwischen Christen und Nichtchristen aber verboten und auch mit Ungültigkeit sanktioniert. Erst mit dem sogenannten Interkonfessionellengesetz wurde der Übertritt von einem christlichen Bekenntnis zum Judentum rechtlich möglich.
Christian Neschwara
Konfessionell bedingte Ehehindernisse und Grundrechte seit 1867

DameMitKind
Dame mit Kind
Tina Blau, 1881
Beschreibung
Studie zum Gemälde "Frühling im Prater".
Aus der Sammlung Österreichische Galerie Belvedere

Nach ihrer Hochzeit begann Tina Blau als Lehrerin in der Malschule des Künstlerinnenvereins zu unterrichten. Der Künstlerinnen-Verein München wurde 1882 gegründet:
„Satzungsgemäß galt es das primäre Ziel zu verfolgen den kunst- und kunstgewerbetreibenden Damen Gelegenheit zu gegenseitiger Anregung in ihrem Schaffen und gegenseitiger Unterstützung in ihren Bestrebungen zu geben, Sinn und Geschmack für das Schöne zu heben und das künstlerische Verständnis in Frauenkreisen immer mehr zu entwickeln. Die Ausbildung erfolgte an einer sogenannten „Damenakademie“ des Vereins.“
Ab 1889 unterrichtete sie dort Landschaft- und Stillleben.
Die Sommermonate verbringt sie traditionsgemäß in Wien.

Oetz
Oetz, 1901
Tina Blau, 1914/1915
Beschreibung (Siehe auch Bild-Link)
Das Gemälde wurde mehr als zehn Jahre nach Tina Blaus Aufenthalt im Ötztal in ihrem Wiener Atelier gemalt. Das ursprünglich 1914 datierte Bild wurde im Jahr darauf von Tina Blau nochmals überarbeitet und die Datierung in 1915 geändert. Der ursprüngliche Zustand ist in einer Abbildung aus den Fotomappen, die die Künstlerin am Ende ihres Lebens hat anfertigen lassen, dokumentiert. Ursprünglich war auf der linken Seite noch ein großer Baum vorhanden. Tina Blau notierte Anfang 1916 in ihrer handschriftlichen Werkliste, dass sie den Baum weggenommen habe. Spuren davon sind im Gemälde noch erkennbar.
Öl auf Leinwand
Aus der Sammlung der Österreichischen Galerie Belvedere

Ihre Werke werden inzwischen auf allen Weltausstellungen und Ausstellungen gezeigt und genießen Erfolg und Anerkennung. Der Münchner Kunstverein organisiert ihre erste Einzelausstellung mit mehr als 60 Werken, die in weiteren Städten gezeigt werden. 1889 nahm Tina Blau in Paris in der Weltausstellung teil, 1892 in Chicago. Es folgten weitere Ausstellungen.

Als ihr Mann 1891 stirbt, zieht sie nach einigen Reisen, die sie bis nach Holland und Italien brachten, wieder nach Wien zurück. Unter der Federführung von Olga Prager, gründete sie gemeinsam mit Rosa Mayreder 1897 die „Wiener Frauenakademie“, ursprünglich die „Kunstschule für Frauen und Mädchen“, als eine künstlerische Bildungseinrichtung in Wien, in der Nähe ihres ehemaligen Prater-Ateliers. Diese Initiative ermöglichte es Frauen, die sich für Malerei, Graphik und Bildhauerei interessierten, eine Ausbildung ohne teuren Privatunterricht zu erhalten. Tina Blau unterrichtete die Klasse „Landschaftsmalerei und Stillleben“ von 1898 bis 1915, also bis kurz vor ihrem Tode. Die heutige Wiener Modeschule Hetzendorf stellt mehr oder weniger die Fortsetzung der ursprünglichen Frauenakademie dar, wenn auch über einige Umwege.

Tina Blau hat Weichen für Frauen in der Kunstlandschaft und Malerei gestellt und war eine der bedeutendsten österreichischen Malerinnen des 19. Jahrhunderts. Sie war unter anderem auch mit Marie von Ebner-Eschenbach, Rosa Mayreder und vielen anderen Größen ihrer Zeit befreundet. Marie von Ebner-Eschenbach teilte sich ihre Lebensjahre – Geburt 1830 – Tod 1916 mit Kaiser Franz Josef und lässt so anschaulich eine ganze Ära umfassen. Auch Tina Blau stirbt 1916 nach einer längeren Erkrankung an einem Herzstillstand in einem Wiener Sanatorium.

Zitat von Walter Taussig:
Tante Tina hatte immer betont, dass sie als Künstler (sic), und nicht als malende Frau beurteilt werden wolle“, erinnert sich ihr Großneffe Walter Taussig in seiner Rede anlässlich der Eröffnung der Tina Blau-Ausstellung im Jüdischen Museum in Wien im Sommer 1996.

LINK – Siehe auch:
Tina Blau (fembio.org) https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/tina-blau/

Tina Blau d'Ora
Tina Blau in fortgeschrittenem Alter
Madame d'Ora, Atelier 1915-07-08
Tina Blau in Arbeitsmantel.
Objektklasse/Objektname
Fotografie
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Sie zählt zu den ProtagonistInnen der österr. Landschaftsmalerei, des Blumenstilllebens. Ihr Interesse galt auch dem in Mode gekommenen Jugendstil.
Neben Carl Moll, Theodor von Hörmann und Emil Jakob Schindler zählt ihr Stil zum Poetischen Realismus. Mit Marie Egner, Olga Wisinger-Florian, Hugo Darnaut sowie den oben genannten zählt sie zu den im Stil des österreichischen Stimmungsimpressionismus arbeitenden KünstlerInnen.
1917 wurde im Künstlerhaus eine Gedächtnisausstellung mit Werken Tina Blaus ausgerichtet. 100 Jahre danach lud das Belvedere, unter Beteiligung des Dorotheums, 2017 unter dem Titel „Meisterwerke im Fokus“ zu einer Jubiläums-Schau. In diesem Jahr erscheint auch ihr elektronisches Werkeverzeichnis.

Exkurs:
Der Stimmungsimpressionismus, ca. 1870 bis 1900, als Begriff seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts etabliert, umschreibt die aus den Traditionen der niederländischen Landschaftsmalerei entstandenen Stilmittel und hebt die besonderen Reize der einen umgebenden Natur durch klare Lichtverhältnisse in der Landschaft, ihrer atmosphärischen Reize und Besonderheiten hervor. Eine Freilichtmalerei, die häufig Motive aus dem Wiener Umland wählte, wie dem Wienerwald, dem Prater und den Praterauen sowie bis aus der Wachau.

Donnerstag, 2. Dezember 2021 um 16:56:15 von Kulturpool Redaktion

Jubilum - 100er

Anlass
100er Jubiläen einiger Österreicherinnen und Österreicher

Das Lateinische Wort júbilum n. bedeutet „Freudenruf der Hirten“ und mischt sich laut Kluge mit einer weiteren Quelle, die in „Jubel- oder Jobeljahr“ bezeugt ist: „Nach dem mosaischen Gesetz war jedes 50. Jahr ein Erlassjahr, das mit dem Widderhorn (hebr. jóvél) eingeblasen wurde.

Widderhorn
Gideons Männer blasen das Widderhorn zum Kampf gegen die Midianiter
Buchmalerei, Datierung 1465-1475
Aus der Sammlung der REALonline des Instituts für Realienkunde - Universität Salzburg

Papst Bonifatius VIII. führt 1300 ein christliches Jubeljahr ein, das alle hundert Jahre wiederkehren soll und Kirchenstrafen erlässt. Von späteren Päpsten wird der Zeitraum auf 50 Jahre, dann auf 33 und schließlich auf 25 Jahre verkürzt.“ Daher stammen die Worte Jubiläum und Jubilar, so wie auch das Nennwort jubeln.

Auf die heutige Zeit bezogen, könnte man die allgemeine Freude vorstellen, wenn etwa alle fünf Jahre verhängte Verkehrstrafen oder sonstige offene Rechnungen getilgt werden würden durch offiziellen Erlass.

Auch wenn das nicht zu erwarten ist, bringen Jubiläen meist trotzdem etwas Gutes, vor allem dem Kulturerbe. Das Andenken an eine Persönlichkeit, die für eine Öffentlichkeit von Bedeutung ist, vermittelt durch zeitgenössische Interpretation, Dokumentation und Reportage, liefert neue Aspekte zu bereits bestehendem Wissen, eine nachhaltige Erinnerung durch mediale Verbreitung auch erstmaligen Bezugspunkt für viele oder jüngere Generationen. Insofern ist das Feiern von Jubiläen eine wichtige Säule der Erinnerungskultur und eine relevante Methode einem Ereignis, einer Persönlichkeit vertiefende oder neue Öffentlichkeit zu verschaffen.

Im Jahr 2021 gibt es gleich mehrere runde Jubiläen, einige 100er, die auch wieder eine zeitliche Einordnung der literarischen, wissenschaftlichen und weiteren Strömungen gedanklich erleichtert, durch Wahrnehmung, wer von mehreren Persönlichkeiten das gleiche Geburtsjahr teilt, in die gleiche Zeit hineingeboren wurde. Auch Sterbedaten sind gleichwertig ein Anhaltspunkt der Darstellung. Hier bringt jeder 100er mehr eine vertiefende Auseinandersetzung und auch aus zeitgenössischer Sicht meist eine Fülle an Neuinterpretationen, weiterer Herausgaben oder Hommagen. Dies ist sehr deutlich an dem 700. Todestag von dem florentinischen Dichter Dante Alighieri zu sehen, der sein Gedenkjahr bereits in die letzte Runden gebracht hat.

Zu den 100. Geburtstagen mehrerer österreichischer Persönlichkeiten wie des Dichters H.C. Artmann, der Schriftstellerin Ilse Aichinger, des Arztes und Vertreters der Individualpsychologie Erwin Ringel, des Lyrikers und Übersetzers Erich Frieds gab es eine Vielzahl an Sendungen, Berichten, Gedenkfeiern und Veranstaltungen. Neue Editionen und Auflagen wurden herausgebracht und
auch der Kulturpool versteht sich als laufend entwickelnde und erweiternde Anlaufstelle, die ein breites Themengebiet absteckt und durch das semantische Suchsystem "auf gut Glück" nicht immer nur klar vorhersehbare, sondern durchaus auch interessante assoziierte Ergebnissen liefert. Ähnlich die Suchmöglichkeiten auf der Europeana, die ein Sammlungsnetz vieler europäischer Bestände anbietet und auch laufend redigiert und verbessert wird. Kulturpool, mit über einer Million an Digitalisaten, antwortet mit einer Vielzahl an Ergebnissen zu den jeweiligen Einträgen. Die Europeana bietet für die europäische Ebene konsequenterweise ein Vielfaches an Objekten für den zielstrebig Suchenden als auch für den Zufallsfund stets eine hoffentlich ergiebige oder inspirierende Antwort.

„Jubiläen! Die 100er einiger österreichischer Persönlichkeiten im 2021er Jahr“

100 Jahre Ilse Aichinger

100 Jahre HC Artmann

100 Jahre Erwin Ringel

100 Jahre Erich Fried

100 Jahre Paul Watzlawick

1 o o J a h r e

H.C. Artmann - Dichter, Wortakrobat und Schriftsteller
Geboren am 12. Juni 1921 in Wien; gestorben am 4. Dezember 2000 ebenda

ArtmannAmstetten
H.C. Artmann hat Amstetten passiert - Persönlichkeiten beim Aufenthalten im Lande rund um Wien
Anton Wichtl, Datierung 1965
Tusche, laviert auf Transparentpapier
Kunstzeichnung
Aus der Sammlung der Landessammlungen Niederösterreich

Artmann
Hans Carl (H.C.) Artmann
Otto Breicha, Datierung 1963
Fotografie, Dichtung, Wiener Gruppe
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek/ Breicha

Zu Bilder, Schrift und Werk siehe auch folgende Links:

https://www.hcartmann.at/

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Hans_Carl_Artmann

http://www.literaturhaus.at/index.php?id=5309

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/reflexionen/geschichten/2107790-H.-C.-Artmann-Taenzer-auf-allen-Maskenfesten.html

1 o o J a h r e

Ilse Aichinger - Schriftstellerin, bedeutende Repräsentantin der Nachkriegsliteratur
Geboren am 1.November 1921 in Wien; gestorben am 11.November 2016 ebenda

Aichinger
Die größere Hoffnung. Autorenlesung [Ausschnitt]
Unveröffentlichte Eigenaufnahme der Österreichischen Mediathek
07.12.1965
Aus der Sammlung der Österreichischen Mediathek

Aichinger|
Ilse Aichinger
Interfoto / Brigitte Friedrich

Zu Bilder, Schrift und Werk siehe auch folgende Links:

https://austria-forum.org/af/Biographien/Aichinger%2C_Ilse

https://orf.at/stories/3234322/

https://www.hdg.de/lemo/biografie/ilse-aichinger.html

https://www.derstandard.at/story/2000130785006/ilse-aichinger-schreiben-als-existenzielle-verflechtung

1 o o J a h r e

Erwin Ringel, Arzt und Vertreter der Individualpsychologie
Geboren am 27. April 1921 in Timișoara, Rumänien; gestorben am 28. Juli 1994 in Bad Kleinkirchheim, Kärnten
schrieb über 600 Arbeiten, veröffentlichte 20 Bücher

ProfessorRingel
Professor Erwin Ringel
Cermak, Alfred, Datierung 1975
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek/ Cermak

Schranz
Versuch einer Beschreibung der psychischen Verfassung des Österreichers an Hand des Falls Karl Schranz. [Ausschnitt]
Unveröffentlichte Eigenaufnahme der Österreichischen Mediathek
Datierung 17.01.1973
Aus der Sammlung der Österreichischen Mediathek
Foto aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek/ Cermak

Zu Bilder, Schrift und Werk siehe auch folgende Links:

https://science.orf.at/stories/3206196/

http://www.erwinringel.at/

https://www.doew.at/erinnern/biographien/erzaehlte-geschichte/ns-judenverfolgung-deportation/erwin-ringel-ringel-koennen-sie-injektionen-geben

1 o o J a h r e

Erich Fried - österreichischer Lyriker, Übersetzer und Essayist
ein Hauptvertreter der politischen Lyrik der Nachkriegszeit
Geboren am 6. Mai 1921 in Wien; gestorben am 22. November 1988 in Baden-Baden

Erich Fried
Erich Fried
Porträtskizze, Bleistiftzeichnung von Catherine Fried-Boswell, Datierung 1985-11-09
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

[ErichFried
Aufgetreten ist er bis zuletzt: Erich Fried (1921 bis 1988) bei einer Lesung im Deutschen Theater in Berlin im Oktober 1988. Bild: Picture-Alliance
Siehe Link unten faz.net

Zu Bilder, Schrift und Werk siehe auch folgende Links:

https://www.onb.ac.at/bibliothek/sammlungen/literatur/liebeslyrik-und-streitgedichte-zum-100-geburtstag-von-erich-fried

https://wortwuchs.net/lebenslauf/erich-fried/

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/der-lyriker-erich-fried-waere-heute-hundert-jahre-alt-geworden-17327369.html

https://erichfriedtage.com/

1 o o J a h r e

Paul Watzlawick - Philosoph, Psychotherapeut und Kommunikationswissenschaftler
Geboren am 25. Juli 1921 in Villach, Kärnten; gestorben am 31. März 2007 in Palo Alto, Kalifornien
Watzlawick veröffentlichte 18 Bücher, die in 85 Sprachen übersetzt wurden. Darüber hinaus verfasste er über 150 Artikel und hielt Vorträge.

watzlawick
Paul Watzlawick
Porträtfoto - Aus "Essenzen - zum 100. Geburtstag von Paul Watzlawick"
hogrefe - siehe Link unten

[paul-watzlawick-geboren-1921.jpg
Faz - Bericht zum 100. Geburtstag von Paul Watzlawick
Siehe Link unten faz.net/Foto: Getty

Zu Bilder, Schrift und Werk siehe auch folgende Links:

„Die eigentliche Ursache des Leids liegt in unserer Unwilligkeit, Tatsachen als reelle Tatsachen und Ideen als bloße Ideen zu sehen, und dadurch, dass wir ununterbrochen Tatsachen mit Konzepten vermischen. Wir tendieren dazu, Ideen für Tatsachen zu halten, was Chaos in der Welt schafft.“

https://www.hogrefe.com/de/thema/essenzen-im-gespraech-mit-paul-watzlawick

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/paul-watzlawick-zum-hundertsten-geburtstag-17449071.html