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Mittwoch, 26. Februar 2020


Mittwoch, 30. September 2020 um 12:23:18 von Kulturpool Redaktion

Kulturpool und die Millionengrenze

Anlass
Eine Million Objekte auf Kulturpool

Kulturpool als Millionär

Obwohl je nach landesspezifischer Währung die Summe von einer Million einen jeweils gänzlich unterschiedlichen Vermögenswert darstellen mag, ist der Begriff nach wie vor für viele ein quasi verbrieftes Versprechen einer Überlebensgarantie oder ein Ankommen in einem Umstand eines zukünftig finanziell unbeschwerten Lebenswandels.
Warum das so ist, lässt sich nicht so leicht klären, jedenfalls ist dieses Bild hinten wie vorn brüchig und ein Wunschdenken.

Auch der Kulturpool wird mit dem Erreichen der „Ersten Million“ nicht alle seine Themen und Herausforderungen los werden und die engagierten Bemühungen um Qualitätssteigerung, Aufbau weiterer Anbindungen und Vernetzung unter den heimischen Kulturinstitutionen sowie dem Brückenbau auf Europäischer Ebene werden weitergehen. Jedoch gibt es im Sinne des angesprochenen Mythos des Begriffes Million, sehr wohl Anlass, auf eben diese Million aufmerksam zu machen.

Mehr als eine Million Objekte sind dank der kontinuierlichen Kooperation mit Österreichischen Museen und anderen Kultureinrichtungen nun abrufbar. Als nachhaltiges zentrales Übersichts- und Suchportal des digitalen österreichischen Kulturerbes ist hier sicherlich ein Meilenstein erreicht, der durch eine Vielzahl an dankbaren substanziellen Kooperationen gelungen ist. Das lässt zurückgreifen auf den ursprünglichen Ansatz und der Zielsetzung des Projekts Kulturpool:

„Das inhaltliche Ziel des sektionsübergreifenden Projekts Kulturpool ist es, ein zentrales Übersichts- und Such-Portal digitalisierter Objekte und Kataloge aller österreichischen Kulturinstitutionen zur Verfügung zu stellen. Strategisches Ziel ist dabei die engere Verknüpfung zwischen Kultur und Bildung sowie - der „Future Learning" Initiative folgend -das österreichische Kulturerbe mit neuen Technologien der breiten Bevölkerung zugänglich zu machen. Zielgruppen des Kulturpools sind die kulturinteressierte Öffentlichkeit, SchülerInnen, LehrerInnen, sowie Wissenschaft und Forschung.“

So jedenfalls Eigendefinition und offizielle Projektbeschreibung, erweitert durch den europäischen Ansatz:

„Der Kulturpool wird darüber hinaus als zentraler Datenlieferant digitalen österreichischen Kulturerbes für die Europäische Digitale Bibliothek Europeana dienen und damit einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung österreichischen Kulturerbes auf europäischem Niveau leisten.“

Von öffentlicher Hand finanziert und frei zugänglich lässt sich auch abseits der kommerziellen Welt mit dem Begriff „Warenkorb“, in unserem Fall Merkliste, ein Prozess erklären, der eine Variante der Nutzbarkeiten des Kulturpools vorstellen lässt und eröffnet:
Dank der kontinuierlichen Qualitätssteigerung in Bild und Metadaten sowie der laufend wachsenden Zahl der Objekte, die eine erweiterte Nutzung erlauben, ermöglicht Kulturpool ein digitales Flanieren und Bewandern der Sammlungslandschaften Österreichs unter Verwendung der Suchmaschine „Melvil“, die dank semantisch generierten Daten im Hintergrund die Begriffsverknüpfungen erstellt und begleitet, gleich einem postalischen Zusteller, um gedanklich metaphorisch beim Online-Shopping zu bleiben.

In den letzten Jahren kam es zur Neuanbindung zahlreicher größerer oder kleinerer Institutionen und Kultureinrichtungen wie der Wienbibliothek, der Albertina, der Vorarlberger Landesbibliothek sowie der Stiftsarchive des Monasteriums, weiters auch die „RealOnline“ oder „Phaidra“ sowie ein Open Content Paket der Österreichischen Galerie Belvedere, MAK oder der ÖAW.

2020 werden die Anbindungen des Projekts „museen in vorarlberg“ (einer Kooperation des Vorarlberger Museumsvereins und der Vorarlberger Landesregierung) sowie des Dipkatalogs der NÖ Museen (Museumsmanagement NÖ) umgesetzt.

So lässt sich nach einer spontanen digitalen Wanderung ohne Hinzuziehen diverser Wanderkarten, folgendes im kulturellen Warenkorb finden:

Auf der Suche nach dem einmillionsten Objekt wurde ohne notarielle Begleitung aber mit Bedacht auf die letzten Anbindungen ein kultureller Warenkorb per Zufallsprinzip gefüllt:

Objekt 1 aus dem Warenkorb zur Million
PaulchensKuss
Paulchens Millionenkuss

Datierung:
1918

Beschreibung:
Das Plakat des Propagandafilms „Paulchens Millionenkuss“ mit dem Schauspieler Paul Hindemann aus dem Jahr 1918, das erzählt, wie Paul Heidemann für Kriegsanleihen damit wirbt, dass bei all den jungen Damen, diejenige einen Kuss von ihm erhalten wird, die am meisten Kriegsanleihen eingesammelt hat…

Aus der Sammlung Plakat (Sammlung), Bibliothek und Kunstblättersammlung
Herausgeber: MAK – Museum für angewandte Kunst

Objekt 2 aus dem Warenkorb zur Million
Wehrmachtshelm
Wehrmachtshelm, zum Mörtelschöpfer umfunktioniert

Datierung:
1940-1945

Beschreibung:
In den Sammlungen des Volkskundemuseums findet sich unter der Rubrik „Highlights aus dem Volkskundemuseum“ ein Wehrmachtshelm, der in der Nachkriegszeit zum Mörtelschöpfer umfunktioniert wurde, mit dem Hinweis versehen, dass in dieser Zeit häufig Kriegsrelikte zu Werkzeugen des Friedens umfunktioniert wurden. Ein Wehrmachtshelm diente als Mörtelschöpfer beim Bau eines Hauses.

Link: http://www.kulturpool.at/plugins/kulturpool/showitem.action?itemId=206158908705&kupoContext=default

Aus der Sammlung Highlights aus den Sammlungen
Herausgeber: Österreichisches Museum für Volkskunde

Objekt 3 aus dem Warenkorb zur Million
CharterLilienfeld
Charter: LilienfeldOCist 1336 II 25

Datierung:
1336

Beschreibung:
Aus dem kollaborativen Archiv des Monasteriums die Sammlung historischer Dokumente, die als digitale Faksimiles gesehen und verwendet werden können bieten einen spannenden Einblick in Verhältnisse und mehr oder weniger alltäglicher Gebarungen dieser Zeit.
Ein Charter aus dem Jahr 1336 der Sammlung des Stiftarchives Lilienfeld: LilienfeldOCist 1336 II 25, beschreibt die Hofübergabe des Ulrich Pylichdorfers und dessen Frau Erweip an Abt Oetaker und dem Konvent von Lylienueld:
Beschreibung: Vlreich der Pylichdorfer und seine Frau Erweip geben Abt Oetaker und dem Konvent von Lylinueld als Seelgerät: 1 Hof auf der Stetten, dient 3 ß, 9 Käse Ramstainer gantzer, 1 Metzen Bohnen, 1 Bündel Flachs, 1 Mäher, 1 Schnitter, 4 Hühner und 20 d für Wein- und Rinderfuhr, dazu 20 d, die man zum Hof von 1 Hofstatt vnder der Maur dient…
Link: http://www.kulturpool.at/plugins/kulturpool/showitem.action?itemId=317828687877&kupoContext=default

Aus der Sammlung des Stiftarchives Lilienfeld
Herausgeber: Monasterium.net

Objekt 4 aus dem Warenkorb zur Million
Heimkehr
Heimkehr von der Arbeit (Die Liebenden am Scheideweg)

Datierung:
1861

Beschreibung:

Wer unter den fast viereinhalb-tausend Objekten der neuangebundenen „Open Content“ Dateien der Österreichischen Galerie Belvedere stöbern will, kann die unterschiedlichsten Werke wie Alben in einem gutsortierten Plattenladen suchen und genießen.
Ein Beispiel ist von der Biedermeier Ikone Ferdinand Georg Waldmüller die „Heimkehr von der Arbeit“ mit dem Untertitel: „Die Liebenden am Scheideweg“. Aus dem Jahr 1861, wenn auch die Datierung nicht mehr lesbar ist.

Link: http://www.kulturpool.at/plugins/kulturpool/showitem.action?itemId=253403128919&kupoContext=default

Aus der Sammlung Klassizismus | Romantik | Biedermeier
Herausgeber: Österreichische Galerie Belvedere

Objekt 5 aus dem Warenkorb zur Million
Diptychon
Flügel eines Diptychons, "Konstantinopolis"

Datierung:
Keine Angabe

Beschreibung:
Weibliche Gestalt mit Mauerkrone, in der linken Hand cornucopia (Cornu Copia bedeutet Füllhorn und ist ein mythologisches Symbol des Glückes), in der rechten eine brennende Fackel, auf ihrer rechten Schulter ein geflügelter Amor. Die Gestalt ist eine Stadtpersonifikation, die als die Personifikation der Stadt Konstantinopel angesprochen wird.

Link: http://www.kulturpool.at/plugins/kulturpool/showitem.action?itemId=532576968110&kupoContext=default

Aus der Sammlung Digitales ForschungsArchiv Byzanz (DiFaB)
Herausgeber: Universität Wien

Objekt 6 aus dem Warenkorb zur Million
Auferstehung
„Panorama vom Bodensee“

Datierung:
um 1890

Beschreibung:
In den historischen Sammlungen der Vorarlberger Landesbibliothek findet sich als Vogelschaubild eine Farblithographie sich Karten wie diese vom Bodensee von Louis Glaser, datiert um 1890. „Panorama vom Bodensee“

Link: http://www.kulturpool.at/plugins/kulturpool/showitem.action?itemId=261993604338&kupoContext=default

Aus der Sammlung Historische Landkarten
Herausgeber: Vorarlberger Landesbibliothek

Objekt 7 aus dem Warenkorb zur Million
Auferstehung
Die Auferstehung

Datierung:
1515

Beschreibung und Schlagwörter:
Flügelaltar-Rückseite/sakral; Schatten, handreichend, stehend, betend, sitzend, heraussteigend, Hände erhoben, Amikt, Albe, nackt, Schapel, Schnürung, Dalmatik, Bruech, Tiara, Zugalbe, Hl. Petrus, Mönch, Papst, Auferstehende, Auferstehender, Engel, Hl., Verdammter, Apostel, Wolke, Getreide, Geldbeutel, Schlüssel, Schnur, Erdboden, Garbe, Goldmünze, Grab, Himmel
Link: http://www.kulturpool.at/plugins/kulturpool/showitem.action?itemId=12885193708&kupoContext=default

Aus der Sammlung REALonline
Herausgeber: Institut für Realienkunde - Universität Salzburg

Objekt 8 aus dem Warenkorb zur Million
David
David, Harfe spielend

Datierung:
(erste Hälfte 16. Jahrhundert)

Beschreibung:
Benedetto da Montagna (Künstler_in) (Italien, um 1481 - 1558)

Link: http://www.kulturpool.at/plugins/kulturpool/showitem.action?itemId=4295428956&kupoContext=default

Aus der Graphischen Sammlung
Herausgeber: Albertina, Wien, Österreich

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Bei Interesse, diverse Sammlungen, Smart Works (kurze themenbasierte Artikel/Arbeiten, die mit Hilfe eines speziellen Editors und unter Nutzung der Kulturpoolinhalte verfasst werden können) oder Objekte bei Kulturpool anbinden zu lassen oder auch für Anregungen, bitte unter redaktion@kulturpool.at mit uns in Kontakt treten. Wir freuen uns.

Die Redaktion von Kulturpool wünscht Ihnen allen einen schönen, erholsamen und auch von vielen Motiven aus Kulturpool und Europeana inspirierten Herbst!

Dienstag, 30. Juni 2020 um 16:03:48 von Kulturpool Redaktion

Über Landschaften, Bukolisches und Bel-vedere

Anlass
Sommerliche und bukolische Landschaften, das "Belvedere" im wahrsten Sinne des Wortes

Über Landschaften, Bukolisches und "Bel vedere"
Die neue Anbindung der Bilder des Belvederes in Kulturpool und die Europeana

Bel vedere - aus dem italienischen kommend, bedeutet "das Schöne Sehen" bzw. "die schöne Aussicht", wie im französischen das Wort "Bellevue" oder dem englischen "View". Ein Wortstamm, der sich durch die unterschiedlichen romanischen oder indogermanischen Sprachwelten zieht, wie ein Mensch auf Reisen.

In diesem Sinne schlagen wir vor, diesen Feldweg aus der Sicht eines
auf einer Kutsche sitzenden Reisenden zu sehen und kurz innezuhalten:

Feldweg
Feldweg
Carl Gödel, 1922
Öl auf Leinwand
Aus der Sammlung der Österreichischen Galerie Belvedere

Bel Vedere im wahrsten Sinne des Wortes!

Sommer
Sommer
Rudolf Junk, 1907
Öl auf Leinwand
Aus der Sammlung der Österreichischen Galerie Belvedere

Sommerliche Landschaften

Der Sommer 2020 wird vielen in Erinnerung bleiben, schon bevor er überhaupt begonnen hat. Wenn wir diesen Sommer als ein zu malendes Bild sehen wollen, so ist der Rahmen bereits vorgegeben. Ausgangsbeschränkungen, Unsicherheiten in der Planung durch Reisewarnungen oder -verbote lassen den Blick auf Destinationen innerhalb der eigenen Landesgrenzen schweifen und Orte und Gegenden in das Blickfeld rücken, die uns zuvor vielleicht nicht so sehr in den Sinn kamen. In jedem Fall Momente der Sehnsucht innerhalb der Landschaften der eigenen Grenzen sowie naturgemäß auch darüber hinaus.

Dankenswerterweise hat Österreich eine breite Palette an Erholungs- und Urlaubs-Szenarien zu bieten. Unzählige Motive wie verwunschene Seen, bukolische Hügellandschaften, herausfordernde Berge und entlegene Almen schaffen ein reich bebildertes Mosaik aus nachhaltigen Eindrücken und dem Versprechen in diesen Erholung und Ruhe, Kraft und Inspiration zu finden. Bukolische Landschaften?

Bukolische Landschaften

Der Begriff der Bukolik erzählt von der Schäferdichtung und der Hirtenlieder. Ursprünglich bedeutet bukolisch ‘ländlich einfach’, eigentlich ‘das Hirtenleben betreffend’ nach lat. būcolicus, griech. būkolikós (βουκολικός) ‘zu den Hirten gehörig’, zu griech. būkólos (βουκόλος) m. ‘Rinderhirt’. Ein Begriff der bereits in der Antike von Dichtern wie Vergil oder Theokrit Verwendung fand und dadurch auch der Nachwelt erhalten blieb. Gedichte, getragen von ländlicher Sehnsucht erzählen von dem Hirtenleben und ähnlicher Idyllen. Eben auch die sogenannte Idyllendichtung greift auf diese Bezeichnung gerne zurück.

Kühe und Schafe
Kühe und Schafe
Unbekannt, 1856
Provenienz 1912 Legat Ludwig von Reithoffer
Aus der Sammlung der Österreichischen Galerie Belvedere

Aus diesem Blickwinkel in den Sommer zu gehen, die Natur- und Kulturlandschaften aus einer besonderen Perspektive zu beobachten und diese zu verorten suchen, der Sehnsucht nach dem Ruhigen und Einfachen eine erlebbare Inszenierung zu bieten, gleich der Motivsuche eines Malers, könnte viel Freude bringen und idealerweise auch Ruhe zugleich.

“Hühnerhof"
Hühnerhof
Demeter Koko, 1919
Öl auf Karton
Aus der Sammlung der Österreichischen Galerie Belvedere

Durch Landschaften Reisende mögen dies als Einladung zu einem Suchspiel sehen. Wo sieht man noch Rinder und Kühe weiden, wer hält sich noch Schafe und Hühner außerhalb der Massenindustrie? Die Freude in den Augen eines Kindes an einer Pferdekoppel vorbeizukommen und den Bewegungen und Lauten zu folgen. Den reichhaltigen olefaktorischen Eindrücken und Spuren nachzugehen, die einem Wandernden entgegenkommen.

Das Wort Landschaft umfasste ursprünglich, seit dem 12. Jahrhundert, die Anzahl der Bewohner einer Gegend oder eben eines Landes. Ähnlich dem Wort Herrschaft zielte es auf die Personen und Einwohner ab, erst viel später im ausgehenden Mittelalter gilt die bis heute übliche Bedeutung als ein rein geografischer Begriff.

Von der Landschaft zur Landschaftsmalerei. Die Landschaftsmalerei will das Verhältnis des Menschen zur Natur darstellen. Über die Jahrhunderte und Epochen mit einer sich laufend wandelnden Perspektive oder einem der jeweiligen Zeit entsprechenden Fokus auf veränderte gesellschaftliche Verhältnisse und Entwicklungen.

Traun und Traunstein
Die Traun und der Traunstein
Ludwig Halauska, 1875
(1876 Ankauf für Kaiserliche Gemäldegalerie. – 1929 Übernahme aus dem Kunsthistorischen Museum, Wien)
Aus der Sammlung der Österreichischen Galerie Belvedere


Die Rettenbachwildnis bei Ischl
Ferdinand Georg Waldmüller, 1832
Belvedere Museum Wien aus der Sammlung der Europeana

Nur die vorkolumbianischen Kulturen kannten keine Landschaftsmalerei. Aus welchem Grunde auch immer. Ansonsten lassen sich überall auf der Welt, zeitlich bis weit in die Antike zurück, Formensprachen der Landschaftsmalerei finden.

“Italienische Landschaft"
Italienische Landschaft
Carl Rahl, 1836/1850
Öl auf Leinwand
Aus der Sammlung der Österreichischen Galerie Belvedere

Die Redaktion von Kulturpool wünscht Ihnen allen einen schönen, erholsamen und auch von vielen Motiven aus Kulturpool und Europeana inspirierten Sommer!

Mittwoch, 6. Mai 2020 um 20:12:31 von Kulturpool Redaktion

Europatag - 9. Mai 2020

Anlass
Europatag 2020

Der Europatag 2020 am 9. Mai wurde heuer im Rahmen mittels eines online Live Stream mehrerer Jubiläen gedacht:

250 Jahre Beethoven Geburtstag
215 Jahre Schiller Todestag (9. Mai 1805)
75 Jahre UN – Vereinte Nationen
70 Jahre Schuman Erklärung und
25 Jahre Österreich bei der EU

Die Veranstaltung ist nachsehbar via Live Stream: https://www.youtube.com/watch?v=iZqwebyXC7g&t=990s

Eine einstündige Feier mit einer eigens arrangierten Version der Ode an die Freude aus Beethovens 9. Symphonie mit 9 aus diversen europäischen Ländern stammenden MusikerInnen, die mehrere musikalische Genres betreffen. Von Klassik über Balkan Jazz bis Elektronik soll der Facettenreichtum Europas sich auch musikalisch widerspiegeln.

Neben der musikalischen Uraufführung werden die MusikerInnen im Live Stream über Eindrücke und Lebenssituationen aus ihren Heimatländern erzählen und wie die Phase der Einschränkungen und Quarantäne sie beeinflusste.

Mit Gratulationen und Botschaften von UN Generalsekretär Guterres, HVRP Borell, BM Schallenberg, FSTS Lunacek sowie weiteren Gästen wurde versucht, eine besondere Mischung und Verbindung aus diplomatischen Statements, künstlerischen Positionen und Impulsen dieser Zeit aufzuzeigen und die anstehenden Jubiläen aus vielschichtigen Sichtweisen zu präsentieren.

Vereinte Nationen „Besichtigung der Baustelle der Wiener UNO-City“
Tag der Vereinten Nationen in Wien
Franz Blaha, Fotografie 26. Juni 1946
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Besichtigung der Baustelle der Wiener UNO-City
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

“Eröffnung mit Kardinal König" Generalversammlung der UNO

Eröffnung mit Kardinal König
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Generalversammlung der UNO
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Celebrating Birthdays of People & Institutions

SATURDAY MORNING LIVE
09. MAY 2020 – 11AM (CEST/VIENNA)

TOGETHER as ONE
9th May – 9 Artists – 9th Symphony

Celebrating the Europe Day

25 years of Austria in the European Union
70 years of Schuman Declaration
75 years of United Nations
250th birthday of Beethoven

“Die feindlichen Gewalten" Beethoven

Beethoven-Fries: Detail aus "Die feindlichen Gewalten"
Klimt, Gustav 1902
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Ferdinand Georg Waldmüller (Zugeschrieben an), 1793 Wien - 1865 Hinterbrühl bei Wien
Portrait Ludwig van Beethoven
Kunsthistorisches Museum Wien, Sammlung alter Musikinstrumente

  1. Live Stream – LIVING ROOM CELEBRATION & Cultural Orchestration

The artistic content of the event is an orchestration and a mix of artistic relay race & special arrangement performing the Ode to Joy of the 9th Symphony by 9 Artists in changing circles. Every artist, from different EU Member States, is coming from another genre in music from classic to pop, jazz, electronic etc. The production is a unique piece of performing the European Anthem which is brought for the first time as an artistic relay race, symbolizing the circulation, solidarity, creativity within the European Union. Also, part of this performance is a signed language interpreter.

– Official statements from

UN Secretary General Antonio Guterres
EU High Representative for Foreign Affairs and Security Policy/Vice-President of the European Commission Josep Borrell
Austrian Federal Minister for European and International Affairs Alexander Schallenberg
State Secretary for Arts and Culture Ulrike Lunacek

– Short Live Talks with artists originally from all over the EU about the European Solidarity and life in difficult times during confinement. Short insight in people’s special experiences, inspirations, changes in the day-to-day lives and how it feels to be a European.

The Arrangement for the Ode to Joy Performance is made from Konstantin Wladigeroff.
We thank following artists for their contribution, spirit, and time:

Konstantin Wladigeroff, Piano & Arrangement (Bulgaria)
Alexander Wladigeroff – Trumpet, Percussions Balkan Jazz (Bulgaria)
Anna Veselova – Violoncello/Classic (Latvia)
Floris Willem – Violin /Classic (Belgium)
Karin Waldburger – Tenor Saxophone /Jazz (Germany)
Hannah Debono – Flute /Classic (Malta)
Alice Schneider – Voice /Pop (France/Autriche)
Paul Schweinester – Tenor /Opera (Austria)
Christian Reiner – Word/Poetry/Performance (Germany)
Matthias Schönauer – Electronics/Electronic Music (Sweden/Austria)
Hanna Boesch – Sign Language Interpretation of the Ode to Joy
Sofia Taliani – Music Cookbook Instructions

See more about the Live Stream:

http://europa.eu/!ht88BD

have a look into it and bring yourself Europe at home, prepare your personal MATINÈE with Italien Prosecco, French Wine & Cheese, Greek and Spanish Olives, Swedish Snaks & Danish Cookies, German Car Keys in the Days of Confinement, Latvian Tea, Belgium Chocolate, Finish Boots, and Irish sense for the music and arts, Croatian Weather..

Zum Werdegang des Europatages:

Die Schuman-Erklärung – 9. Mai 1950

Am 9. Mai 1950 schlug der französische Außenminister Robert Schuman in einer Rede die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) vor, deren Mitglieder ihre Kohle- und Stahlproduktion zusammenlegen sollten.

Die EGKS (Gründungsmitglieder: Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Belgien und Luxemburg) war die erste einer Reihe supranationaler europäischer Institutionen, die schließlich zur heutigen Europäischen Union wurden.

Historischer Hintergrund

Im Jahr der Schuman-Erklärung kämpften sich die europäischen Nationen noch mühsam aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs hervor, der erst fünf Jahre zuvor zu Ende gegangen war.

Um weiteren Kriegen vorzubeugen, einigten sich die Regierungen einiger europäischer Länder darauf, ihre Kohle- und Stahlproduktion zusammenzulegen. Auf diese Weise wollten sie einen weiteren Krieg zwischen den Erzrivalen Frankreich und Deutschland nach dem Wortlaut der Schuman-Erklärung „nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich“ machen.

Sie gingen zu Recht davon aus, dass ein Zusammenschluss ihrer wirtschaftlichen Interessen eine Erhöhung des Lebensstandards zur Folge haben würde. Der erste Schritt zu einem geeinten Europa war getan. Die Mitgliedschaft in der EGKS stand auch anderen Ländern offen.
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Vollständiger Wortlaut der Schuman-Erklärung

Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen.
Der Beitrag, den ein organisiertes und lebendiges Europa für die Zivilisation leisten kann, ist unerläßlich für die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen. Frankreich, das sich seit mehr als zwanzig Jahren zum Vorkämpfer eines Vereinten Europas macht, hat immer als wesentliches Ziel gehabt, dem Frieden zu dienen. Europa ist nicht zustande gekommen, wir haben den Krieg gehabt.

Europa läßt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen. Die Vereinigung der europäischen Nationen erfordert, daß der Jahrhunderte alte Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland ausgelöscht wird. Das begonnene Werk muß in erster Linie Deutschland und Frankreich erfassen.

Zu diesem Zweck schlägt die französische Regierung vor, in einem begrenzten, doch entscheidenden Punkt sofort zur Tat zu schreiten.
Die französische Regierung schlägt vor, die Gesamtheit der französisch-deutschen Kohle- und Stahlproduktion einer gemeinsamen Hohen Behörde zu unterstellen, in einer Organisation, die den anderen europäischen Ländern zum Beitritt offensteht. Die Zusammenlegung der Kohle- und Stahlproduktion wird sofort die Schaffung gemeinsamer Grundlagen für die wirtschaftliche Entwicklung sichern - die erste Etappe der europäischen Föderation - und die Bestimmung jener Gebiete ändern, die lange Zeit der Herstellung von Waffen gewidmet waren, deren sicherste Opfer sie gewesen sind.

Die Solidarität der Produktion, die so geschaffen wird, wird bekunden, daß jeder Krieg zwischen Frankreich und Deutschland nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich ist. Die Schaffung dieser mächtigen Produktionsgemeinschaft, die allen Ländern offensteht, die daran teilnehmen wollen, mit dem Zweck, allen Ländern, die sie umfaßt, die notwendigen Grundstoffe für ihre industrielle Produktion zu gleichen Bedingungen zu liefern, wird die realen Fundamente zu ihrer wirtschaftlichen Vereinigung legen.
Diese Produktion wird der gesamten Welt ohne Unterschied und Ausnahme zur Verfügung gestellt werden, um zur Hebung des Lebensstandards und zur Förderung der Werke des Friedens beizutragen. Europa wird dann mit vermehrten Mitteln die Verwirklichung einer seiner wesentlichsten Aufgaben verfolgen können: die Entwicklung des afrikanischen Erdteils. So wird einfach und rasch die Zusammenfassung der Interessen verwirklicht, die für die Schaffung einer Wirtschaftsgemeinschaft unerläßlich ist und das Ferment einer weiteren und tieferen Gemeinschaft der Länder einschließt, die lange Zeit durch blutige Fehden getrennt waren.

Durch die Zusammenlegung der Grundindustrien und die Errichtung einer neuen Hohen Behörde, deren Entscheidungen für Frankreich, Deutschland und die anderen teilnehmenden Länder bindend sein werden, wird dieser Vorschlag den ersten Grundstein einer europäischen Föderation bilden, die zur Bewahrung des Friedens unerläßlich ist.
Um die Verwirklichung der so umrissenen Ziele zu betreiben, ist die französische Regierung bereit, Verhandlungen auf den folgenden Grundlagen aufzunehmen.

Die der gemeinsamen Hohen Behörde übertragene Aufgabe wird sein, in kürzester Frist sicherzustellen: die Modernisierung der Produktion und die Verbesserung der Qualität, die Lieferung von Stahl und Kohle auf dem französischen und deutschen Markt sowie auf dem aller beteiligten Länder zu den gleichen Bedingungen, die Entwicklung der gemeinsamen Ausfuhr nach den anderen Ländern, den Ausgleich im Fortschritt der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft dieser Industrien.

Um diese Ziele zu erreichen, müssen in Anbetracht der sehr verschiedenen Produktionsbedingungen, in denen sich die beteiligten Länder tatsächlich befinden, vorübergehend gewisse Vorkehrungen getroffen werden, und zwar: die Anwendung eines Produktions- und Investitionsplanes, die Einrichtung von Preisausgleichsmechanismen und die Bildung eines Konvertierbarkeits-Fonds, der die Rationalisierung der Produktion erleichtert. Die Ein- und Ausfuhr von Kohle und Stahl zwischen den Teilnehmerländern wird sofort von aller Zollpflicht befreit und darf nicht nach verschiedenen Frachttarifen behandelt werden. Nach und nach werden sich so die Bedingungen herausbilden, die dann von selbst die rationellste Verteilung der Produktion auf dem höchsten Leistungsniveau gewährleisten.

Im Gegensatz zu einem internationalen Kartell, das nach einer Aufteilung und Ausbeutung der nationalen Märkte durch einschränkende Praktiken und die Aufrechterhaltung hoher Profite strebt, wird die geplante Organisation die Verschmelzung der Märkte und die Ausdehnung der Produktion gewährleisten.
Die Grundsätze und wesentlichen Vertragspunkte, die hiermit umrissen sind, sollen Gegenstand eines Vertrages werden, der von den Staaten unterzeichnet und durch die Parlamente ratifiziert wird. Die Verhandlungen, die zur Ausarbeitung der Ausführungsbestimmungen unerläßlich sind, werden mit Hilfe eines Schiedsrichters geführt werden, der durch ein gemeinsames Abkommen ernannt wird. Dieser Schiedsrichter wird darüber zu wachen haben, daß die Abkommen den Grundsätzen entsprechen, und hat im Falle eines unausgleichbaren Gegensatzes die endgültige Lösung zu bestimmen, die dann angenommen werden wird.

Die gemeinsame Hohe Behörde, die mit der Funktion der ganzen Verwaltung betraut ist, wird sich aus unabhängigen Persönlichkeiten zusammensetzen, die auf paritätischer Grundlage von den Regierungen ernannt werden. Durch ein gemeinsames Abkommen wird von den Regierungen ein Präsident gewählt, dessen Entscheidungen in Frankreich, in Deutschland und den anderen Teilnehmerländern bindend sind. Geeignete Vorkehrungen werden Einspruchsmöglichkeiten gegen die Entscheidungen der Hohen Behörde gewährleisten.
Ein Vertreter der Vereinten Nationen bei dieser Behörde wird damit beauftragt, zweimal jährlich einen öffentlichen Bericht an die Organisation der Vereinten Nationen zu erstatten, der über die Tätigkeit des neuen Organismus, besonders was die Wahrung seiner friedlichen Ziele betrifft, Rechenschaft gibt.

Die Einrichtung einer Hohen Behörde präjudiziert in keiner Weise die Frage des Eigentums an den Betrieben. In Erfüllung ihrer Aufgabe wird die gemeinsame Hohe Behörde die Vollmachten berücksichtigen, die der Internationalen Ruhrbehörde übertragen sind, ebenso wie die Verpflichtungen jeder Art, die Deutschland auferlegt sind, so lange diese bestehen.

https://europa.eu/european-union/about-eu/symbols/europe-day/schuman-declaration_de

Sonntag, 29. März 2020 um 11:55:01 von Kulturpool Redaktion

Digitales Biedermeier

Anlass
Quarantanien oder das digitale Biedermeier

Es mag an die Vorstellungen über die Zeit des Biedermeier erinnern, wenn das Häusliche und das Zu-Hause-Bleiben unseren Alltag bestimmt und wir uns auf neue Formen des Alltagslebens einlassen und Ideen zu dessen Bewältigung hervorbringen.
Die Epoche des Biedermeier umfasste die Zeitspanne 1815 bis 1848, mögen die derzeitigen Beschränkungen uns für eine kürzere Phase betreffen und mögen wir eventuell entsprechende Entwicklungen in dieser Zeit aufnehmen und weiterentwickeln.

Einmal mehr nahm etwas seinen Anfang auf dem Wiener Kongress.


"Empfang der verbündeten Monarchen in Wien 1814 anlässlich des Wiener Kongresses""
Lithographie von Franz Wolf nach einer Vorlage von Johann Nepomuk Hoechle,
aus der Serie „Hauptmomente aus dem Leben Sr. Majestät Franz I.“; 1833
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek


"Wiener Kongress, Gruppenbild der leitenden Staatsmänner"
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Vor 200 Jahren wurde während des Wiener Kongresses die Bundesakte beschlossen, der völkerrechtliche Vertrag zur Errichtung des Deutschen Bundes, der nach den napoleonischen Kriegen den Kaiser von Österreich, den König von Preußen und die souveränen Fürsten und freien Städte Deutschlands vereinigte und unter Heranziehung von Garantiemächten als langfristiger Bund Bestandteil einer neuen europäischen Wirtschafts- und Friedensordnung sein und Schutz bieten sollte.

Im August 1819 hielten in Karlsbad die wichtigsten Bündnispartner Ministerialkonferenzen, auf denen Maßnahmen zur Überwachung der Studentenschaft und letztens auch des Bürgertums und zur Unterdrückung gängiger liberaler und nationaler Bestrebungen, die in den deutschen Ländern kursierten, festgesetzt wurden. Die Karlsbader Beschlüsse. Offizieller Anlassfall war die Ermordung des reaktionären Schriftstellers Kotzebue durch studentische Burschenschafter.


"Der Tod August Kotzebues""
Druckgrafik aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Die Karslbader Beschlüsse

§1) Es soll bei jeder Universität ein mit zweckmäßigen Instruktionen und ausgedehnten Befugnissen versehener, […] landesherrlicher Bevollmächtiger […] von der Regierung angestellt werden. Das Amt dieses Bevollmächtigen soll sein, über die strengste Vollziehung der bestehenden Gesetze und Disziplinarvorschriften zu wachen, den Geist, in welchem die akademischen Lehrer bei ihren öffentlichen und Privatvorträgen verfahren, sorgfältig zu beobachten […].

§2) Die Bundesregierungen verpflichten sich gegeneinander, Universitäts- oder andere öffentliche Lehrer, die durch erweisliche Abweichung von ihrer Pflicht oder Überschreitung der Grenzen ihres Berufes, durch Missbrauch ihres rechtmäßigen Einflusses auf die Gemüter der Jugend, durch Verbreitung verderblicher, der öffentlichen Ordnung und Ruhe feindseliger oder die Grundlagen der bestehenden Staatseinrichtungen untergrabender Lehren, ihre Unfähigkeit zur Verwaltung des ihnen anvertrauten wichtigen Amtes unverkennbar an den Tag gelegt haben, von den Universitäten und sonstigen Lehranstalten zu entfernen […].

§3) Solange der gegenwärtige Beschluss in Kraft bleiben wird, dürfen Schriften, die in der Form täglicher Blätter oder heftweise erscheinen, desgleichen solche, die nicht über 20 Bogen im Druck stark sind, in keinem deutschen Bundesstaate ohne Vorwissen und vorgängige Genehmhaltung der Landesbehörden zum Druck befördert werden […].

§4) Kein Studierender, der […] von einer Universität verwiesen worden ist, […] soll auf einer anderen Universität zugelassen, auch überhaupt kein Studierender ohne ein befriedigendes Zeugnis seines Wohlverhaltens auf der von ihm verlassenen Universität von irgendeiner anderen Universität aufgenommen werden.

Die Karlsbader Beschlüsse waren eine politische Reaktion, die einer Vielzahl von Anhängern liberaler Bewegungen, vorwiegend Studenten, deren erhoffte Freiheiten im neugeordneten Europa verwehrten und stattdessen mittels Zensur und Überwachung eine staatliche Ordnung wiederherstellten („restaurierten“, aus diesem Wortstamm übrigens auch das Wort „Restaurant“ (Die Wiederherstellung….nach dem Hunger! Anm. der. Red.!)), daher auch der Begriff der „Restauration“ für diese Phase von dem Wiener Kongress 1815 bis zur Revolution 1848. Grundlegend waren das Verbot der schriftlichen und öffentlichen Meinungsfreiheit, die Überwachung der Universitäten, die Schließung der Turnplätze (Turnsperre von 1820 bis 1842), das Berufsverbot für liberal gesinnte Professoren bis zum Eingriff in die seit Jahrhunderten unabhängige akademische Gerichtsbarkeit.


"1820 wurde der Student Carl Ludwig Sand wegen des Mordes an dem deutschen Dichter und russischen Staatsrat August von Kotzebue (1819) durch Enthauptung hingerichtet""
Aus der Sammlung des Instituts für Österreichische Rechtsgeschichte und Europäische Rechtsentwicklung, Karl-Franzens-Universität Graz Zentrum für Informationsmodellierung

Aus einer anderen Perspektive nennt man diese Epoche auch den „Vormärz“. Hier sind die revolutionären Ideen im Vordergrund der sich entwickelnden Spannungen und Literaten wie Georg Büchner oder Heinrich Heine.


"Heinrich Heine"
Anonym, Fotopapier auf Karton, SW
Aus der Sammlung des Theatermuseums Wien

BIEDERMEIER und die Flucht ins Private

Diese Einschränkungen an der Teilnahme am allgemeinen öffentlichen Leben führten zu einem Rückzug, ja zu einer Flucht ins Private. Das Bürgertum suchte und fand in der „Häuslichkeit“ entsprechende Erfahrungsmomente und bewirkte neue kulturelle Lebensformen.
Es entstand eine große Nachfrage an Miniaturmalerei sowie Einzel- oder Familienporträts, die prägend für diese Epoche waren und gleichzeitig auch für eine größere Gruppe an Malern eine wichtige und nachhaltige Einkommensmöglichkeit darstellte.

Friedrich von Amerling, Leopold Kupelwieser, Ferdinand Georg Waldmüller
waren Protagonisten dieser Zeit und Szene.


"Fotografie eines Selbstporträts des Malers Ferdinand Georg Waldmüller"
Selbstporträts des Malers Ferdinand Georg Waldmüller, von 1833-34
Fotografie von Wilhelm Gmeiner, Wien 1905
Aus der Sammlung des Museum für angewandte Kunst, MAK Wien


"Fotografie einer Porträtmalerei einer Frau"
Fotografie einer Porträtmalerei einer Frau, eventuell Amalie Waldmüller, von Ferdinand Georg Waldmüller
Anonym, Wien um 1900
Aus der Sammlung des Museum für angewandte Kunst, MAK Wien


"Friedrich von Amerling, Selbstporträt"
Aus der Sammlung der Gemäldegalerie Belvedere


"Leopold Kupelwieser"
Leopold Kupelwieser
Druckgrafik aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek


"Dame in blauem Kleid"
Leopold Kupelwieser, 1827
Aus der Sammlung der Gemäldegalerie Belvedere


"Josef Mayer Freiherr von und zu Gravenegg"
Leopold Kupelwieser, 1827
Aus der Sammlung der Gemäldegalerie Belvedere

Entstehung der Salonkulturen

Die Musik brachte die Hauskonzerte hervor, da eine Vielzahl an Menschen es bevorzugten in die eigenen vier Wände zu laden und dort im kleinen Rahmen Musik zu genießen und eventuell Allgemeines zu kommentieren. Ab einer gewissen Regelmäßigkeit an Konzertaufführungen in kleineren oder größeren Wohnzimmern nannte man die musikalische Reihen und die Zusammenkunft einen Wiener Salon. Die Salons waren in unterschiedlichsten Rahmen gesellschaftliche Zentren und versorgten viele Ensembles und Musikgruppen mit laufenden Auftrittsmöglichkeiten und trugen dazu bei vielen vorwiegend Musikern, aber auch Musikerinnen ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Musikaffine Gastgeberinnen und Gastgeber spielten oftmals auch selbst eigene Werke oder trugen aus dem reichen Schatz der Wiener Klassik oder aus Werken anderer Epochen vor.


"Franz Schubert, Landpartie der Schubertianer"
Lichtdruck von Max Jaffé nach Leopold Kupelwieser
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Der ursprünglich aufkommende Begriff des Biedermeiers stammt aus der Feder der Schriftsteller Adolf Kußmaul und Ludwig Eichrodt. Die beiden Studienfreunde erfanden zwischen 1855 und 1857 die Figur des schwäbischen Dorflehrers Gottlieb Biedermeier, dem nach ihrer Diktion „seine kleine Stube, sein enger Garten, sein unansehnlicher Flecken und das dürftige Los eines verachteten Dorfschulmeisters zu irdischer Glückseligkeit verhelfen“. Diese Spottbezeichnung bezeichnet einen biederen, spießigen und in sich zurückgezogenen Menschen als bissige Darstellung und Abbild eines Stereotypen der Vormärz‘schen Epoche.


"Porträt Adolf Kussmaul"
Druckgrafik aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Insgesamt erreichten diese Jahrzehnte sowohl eine Rückbesinnung auf persönliche Werte wie Familie, das Häusliche, das Bescheidene mit all ihren Entsprechungen in der Kunst als auch in Folge eine Suche nach Spaß und Genuss, die das Entstehen von Tanzlokalen, Heuriger, Kaffeehäuser und Casinos hervorbrachte und in der Ablenkung und Zerstreuung von den herrschenden Gewalten und des fordernden Alltags ein neues öffentliches Leben im Dienste des Vergnügens zelebrierte.

Die momentane Situation spiegelt in Ansätzen die damaligen Zeiten wider, da zum ersten Mal seit mehreren Generationen Ausgangsbeschränkungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, wenn auch aus gänzlich anderen Gründen, einen neuen Alltag fordern und formen. Das Bestehen einer inzwischen auch virtuellen Welt ermöglicht trotz Quarantäne die Teilnahme an einem in bestimmten Bereichen weitergehenden öffentlichen Leben auf digitaler Ebene. Viele Antworten bietet wie schon im Biedermeier die Kunst und Kultur, die mittels Live – Streams, aufbereiteter digitaler Archive, Online-Abrufbarkeit und -Aufbereitung diverser Aufzeichnungen eine Vielzahl an kulturellem Angebot abbildet auch in der Hoffnung weiterhin aufgebaute Fangemeinden und Zielgruppen in Zeiten des Stillstands nicht ganz zu verlieren und vielleicht auch neue Sehergruppen zu gewinnen.

So öffnet sich der digitale Schatz vieler österreichischer Kulturinstitutionen und bietet Einblicke in Ausstellungen, Erklärungen zu einzelnen Objekten, ermöglicht Downloads von Bildern, lässt Ansichtskarten aus alten Zeiten hervorheben und vieles mehr.

In den nächsten Wochen möge sich hier eine Serie an Vorstellungen und Links ergeben, die auf diverse besondere digitale Angebote hinweisen will.

https://www.europeana.eu

Wer eine Reise geplant oder schon gebucht hat und sich zum Beispiel in Gedanken in die Gegenden versetzen will, die anvisiert waren, hat zum Beispiel in der Ansichtskartensammlung der Nationalbibliothek die Möglichkeit Postkarten runterzuladen, auszudrucken oder als Link zu versenden, eventuell mit ein paar Grüßen und Wünschen aus den vermeintlichen Orten und Stätten versehen..

AKON ist das Ansichtskartenportal der Österreichischen Nationalbibliothek. 75.000 digitalisierte Postkarten mit topographischen Bildmotiven können sowohl über die Namen der abgebildeten Orte, als auch über eine digitale Weltkarte gefunden werden.
Das Portal beinhaltet Ansichtskarten aus allen Teilen der Welt, von den Anfängen der illustrierten Postkarte Ende des 19. Jahrhunderts bis in die frühen 1940er Jahre.

https://akon.onb.ac.at/

Karthago!

"Ansichtskarte Karthago"
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Diverse Hashtags listen bis zu 2.500 internationale Museen auf, die auf ihre digitalen Archive verweisen.

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Anbei auch ein Link zur Seite eines 17-jährigen Schülers aus Seattle, der eine Informationsseite mit all den aufbereiteten Länderdaten an Infizierungen, Genesungen und weiteren Infos aufgebaut hat, die den meisten behördlichen Websites aufgrund automatisierter Wartungen um einiges voraus ist.

https://ncov2019.live/